Museum Schürhof Windisch

Der Schürhof

 
 

Der Schürhof auf der Gygerkarte um 1660
 
Aufnahme um 1900
Aufnahme um 1900
 

Zur Geschichte des Schürhofs

 
Zusammenfassung aus:

Windisch zur Zeit des Mittelalters, 1911, Samuel Koprio

Im Jahre seiner Wahl zum König 1273 liess Rudolf von Habsburg ein detailliertes Verzeichnis seiner Güter erstellen. Darin erwähnt ist der habsburgische Eigenhof bzw. Meierhof in Windisch. Der Hof in Windisch war an Ertrag der Erste im Eigenamt, scheint aber schon im 14. Jahrhundert gänzlich zerteilt worden zu sein.
 
Bodenzins 1273:
18 Mütt Roggen
18 Mütt Hafer
4 Mütt Erbsen
19 Schilling
1 Mütt Kernen
1 Mütt Roggen
1 Mütt Hafer
ca. 70 Kg (entspelzter Dinkel)
ca. 66 Kg
ca. 42-49 kg
 
Anhand der Zinsansätze, die sich von 1273 bis 1615 fast unverändert erhalten haben, lässt sich feststellen, dass der Windischer Hof auf der ‚Breite‘ lag und sich mit seinen Gebäuden von der Kirche bis zur Scheuergasse hinauf erstreckte. Der Hof zerfiel, wohl seit langer Zeit, in zwei getrennte Ansiedlungen, in den sog. Scheuerhof und die Gebäude westlich der Kirche. Noch weit in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein umschloss eine Dornenhecke die fast quadratische Fläche des Scheuerhofes; dieser und die im Westen gegen Oberburg die Grenze bildende Scheuergasse, auch der zum Kalacker aufsteigende Scheuerrain verdankten ihre Namen einer Scheune, die, im Hofe liegend, von der Herrschaft als Bodenzins- und Zehntenmagazin benutzt wurde.

König Albrechts Tod

Am Mittwoch, 1. Mai 1308, wurde König Albrecht auf dem Gelände des Eigenhofes ermordet. Der König ritt mit kleinem Gefolge am Windischer Eigenhof vorbei, durch Aecker und Wiesen dem nahen Städtchen zu. (Ein anderer Chronist berichtete: ’der König ritt nach seiner Art quer über die angesäten Aecker’). Die Bluttat geschah auf dem Weg nach Brugg am Ort der heutigen Klosterkirche.

Bau des Klosters

Da der Mord auf dem Gebiete des Windischer Eigenhofes geschehen war, so brauchten die Herzoge den nötigen Platz für den Bau des Klosters nur an sich zu ziehen, indem sie die Lehenbauern von den auf den Aeckern lastenden Zinsen frei sprachen; das tat Herzog Leopold am 10. Oktober 1309 in Brugg, wo er dem Rudolf und Wernher, genannt von Mülinen, 2 Viertel Roggen vom Hofe Windisch ’zum Bau seines Klosters, das hier neu errichtet werde’, abnahm, und zugleich einen Acker des Hofes an sich zog, wofür die Hofleute je 1 Viertel Erbsen und Roggen weniger zahlen mussten. Da dieser Bauplatz, etwa 45 Aren, für den Bau nicht ausreichte, kauften die Gründer in den nächsten Jahren das umliegende Land, oder erhielten es geschenkt von Untertanen oder tauschten es mit andern entfernteren Gütern ab.
 

 
Zusammenfassung aus:
 

Geschichte von Windisch, 1983, Max Baumann

 
Das Verbindungsglied zwischen den Dörfern Windisch und Oberburg bildete der Schürhof. Das eingehegte Hofareal mass etwa acht Jucharten und war sehr deutlich durch vier Strassen und Wege begrenzt (Schürgasse-Dorfstrasse-Rebengässli-Weg anstelle der heutigen Zürcherstrasse). Wahrscheinlich gehörten ursprünglich noch etwa vier Jucharten westlich der Schürgasse (bis zur ’Waage’) ebenfalls zu diesem Gehöft.

1785 gelangte der Schürhof an die Gebrüder Daniel und Friedrich Spillmann, deren Nachkommen denselben noch heute besitzen. An Gebäuden gehörten das Wohnhaus, die Scheune, eine Wein- und Oeltrotte sowie ein Wasch- und Holzhaus dazu. Die obigen Gebrüder Spillmann, welche nebenbei noch das Schusterhandwerk ausübten, besassen 1790 ausserdem Land auf Dohlenzelg, Sohr und Dägerli, insgesamt 23 ½ Jucharten. In ihrem Stall standen drei Ochsen, zwei Kühe und sechs Schweine.
 
 

 

Max Baumann: Zur Geschichte des Schürhofs

 
Chronologie
 
1490: Zinsbuch des Klosters Königsfelden (StAAa, AA 467/S.9)
Clewi Lutenschlager vom Schürhof entrichtet jährlich 5 Stuck (= 7½ Mütt =
ca. 500 kg) Roggen und 5 Mütt (= ca. 230 kg) Hafer Zins vom Schürhof.
Ferner von 2 Äckern, die auch zum Schürhof gehören, weitere 2 Mütt
(= ca. 130 kg) Roggen.
 
1531: Urbar und Zinsbuch von Königsfelden 1532/33 (nach Aufhebung des Klosters und Konfiskation durch den Staat Bern. StAAa, AA 530/S.24)
Die obigen Zinsen bezahlt nun der Eigentümer Uli Töuber. (Im Jahr des Urbars wurde ihm der Zins aber "wegen erlittener Brunst um Gottes willen nachgelassen".)
 
1610: Der Berner Rat gestattete den Eigentümern des Schürhofs, einen neuen Brunnen mit ’Römerwasser’ zu speisen.
 
1615: Bodenzinsurbar Königsfelden (StAAa, AA 545/S.79v)
Der Schürhof gehörte nun Hans Fridli Huber, dem Wirt und Besitzer von Fahr und Fahrgut. Der Hof wird wie folgt beschrieben: Eine Einhege (d.h. ein eingezäuntes Gut an einem Stück und ohne Weiderecht der Dorfgenossen), 12 Jucharten hinter dem Haus.
 
1665: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 687/S.94)
Älteste (bekannte) genaue Beschreibung des Schürhofs. Der damalige Eigentümer Lienhart Müller belastete sein Gut mit einem Schuldbrief. Unterpfand: Haus und Trotte samt dem ganzen Einfang (Einhege) im Umfang von nun noch 8 Jucharten Matt-, Acker- und Rebland. Zu diesem Unterpfand gehörten ausserdem ausdrücklich Reben am Fahrrain. Gemäss einer Quelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente die Trotte auch für Trauben, deren Zehnten Königsfelden ausserhalb der Gemeinde Windisch bezog.
 
1671: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 688/2.2.1671)
Erbteilung von Lienhart Müller sel. Hans Ulrich und Hans zahlten nun die Geschwister Kaspar und Barbara sowie die Stiefmutter aus. Dafür übernahmen sie Haus, Scheune und Trotte (ausdrücklich für Wein und Öl) und den Einfang genannt Schürhof, die Reben am Fahrrain und alle Geräte.
 
1757: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 696/3.5.1757)
Die Erben des verstorbenen Hans Heinrich Müller (Nachkommen Hans Ulrichs) verkaufen Meister Daniel Koprio, Zimmermann von Oberburg, den Schürhof: Haus, Scheune, Wein- und Öltrotte, Wasch- und Holzhaus samt ca. 6 Jucharten Matt- und Ackerland.
Die Koprios waren tüchtige Zimmerleute, die in der ganzen Region Aufträge hatten. Daniel baute z.B. das schöne reformierte Pfarrhaus in Gebenstorf, dann auch das noch stehende Wohnhaus oberhalb des sog. Holländerhauses.
» Daniel Koprio
 
1771: (StAAa, AA 733/S.98) belastete Koprio den Schürhof mit einem Schuldbrief. Wieder lautete die Beschreibung "Behausung, Scheune, Wein- und Öltrotte" samt 6 Jucharten Land.
 
1786: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 701/S.266)
Daniel Koprio verkauft den Schürhof an die Gebrüder Spillmann, und zwar zu ⅓ an Daniel, zu ⅔ an Friedrich: "Ein Haus und Weintrotte samt allem dazu dienenden Geschirr, was Namen sie immer haben mögen, samt Kraut- und Baumgarten, ungefähr 6 Jucharten, der Schürhof genannt, stösst aussen an Conrad Schatzmann, innen an die Strasse, oben an die alte Baderstrasse, unten an das Gässli, von welchem Gässli in seiner Länge und Breite, so weit es diesem Schürhof nachgeht, 2/3 gehören, wie solches ausgemarcht ist." (Wörtliches Zitat in heutiger Schreibweise)
 
Zum Kauf gehörte "eine neue, hinter dem Haus liegende Trottenschale", (vermutlich ein Gebäude für die Trotte.) Im Preis war die Öle nicht eingeschlossen! Der Verkäufer behielt sich im Vertrag ausdrücklich vor "alles zur Öle gehörige Geschirr bis an den Trottbaum wegnehmen zu können". Den Hintergrund dieses Vorbehalts war der folgende: Koprio hatte 1781 an der Reuss im Unterdorf eine mechanische, von der Wasserkraft angetriebene Sägerei gebaut und zügelte auch dorthin. Er gedachte, diese durch eine Gipsmühle und eine mechanische Öle zu erweitern, was er 1790 verwirklichte. Daher wollte er im Schürhof nicht einen unliebsamen Konkurrenten (vgl. Geschichte von Windisch, S.288/89).
 
Ergänzung ab 1786:
Die Familie Spillmann ist bis heute auf dem Schürhof sesshaft. Durch Erbteilungen wurde der Hof aufgeteilt. Ein Familienzweig wanderte um 1900 nach Argentinien aus. Ein weiterer erwarb um 1967 einen Bauernhof im Kanton Zürich. Bis 1972 wurde auf dem Hof Landwirtschaft betrieben. Daneben waren die Spillmanns seit jeher im Nebenerwerb handwerklich tätig, so u.a. als Schuhmacher, Küfer (Klosterküfer) und Störmetzger. Die Familie Spillmann führte Mitte des 19. Jahrhunderts den Zunamen ’Küfers’. Eine konstante Tradition auf dem Schürhof ist die Mosterei, früher auch Kundenmosterei. Das eingesetzte Gerät hat sich dabei von der oben erwähnten alten Trotte bis zur hydraulischen Packpresse entwickelt.