Zur Geschichte des Schürhofs


 

Samuel Koprio: Windisch zur Zeit des Mittelalters

 

Auszüge

 

Im Jahre seiner Wahl zum König 1273 liess Rudolf von Habsburg ein detailliertes Verzeichnis seiner Güter erstellen. Darin erwähnt ist der habsburgische Eigenhof bzw. Meierhof in Windisch. Der Hof in Windisch war an Ertrag der Erste im Eigenamt, scheint aber schon im 14. Jahrhundert gänzlich zerteilt worden zu sein.

 

Bodenzins 1273

 

18 Mütt Roggen  (1 Mütt Roggen = ca. 66 kg)
18 Mütt Hafer     (1 Mütt Hafer = 42-49 Kg)
4 Mütt Erbsen 
19 Schilling
 
Schürhof - Entstehung des Namens
 
Anhand der Zinsansätze, die sich von 1273 bis 1615 fast unverändert erhalten haben, lässt sich feststellen, dass der Windischer Hof auf der ‚Breite‘ lag und sich mit seinen Gebäuden von der Kirche bis zur Scheuergasse hinauf erstreckte. Der Hof zerfiel, wohl seit langer Zeit, in zwei getrennte Ansiedlungen, in den sog. Scheuerhof und die Gebäude westlich der Kirche. Noch weit in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein umschloss eine Dornenhecke die fast quadratische Fläche des Scheuerhofes; dieser und die im Westen gegen Oberburg die Grenze bildende Scheuergasse, auch der zum Kalacker aufsteigende Scheuerrain verdankten ihre Namen einer Scheune, die, im Hofe liegend, von der Herrschaft als Bodenzins- und Zehntenmagazin benutzt wurde.
 
 

 

 

König Albrechts Tod

 

Am Mittwoch, 1. Mai 1308, wurde König Albrecht auf dem Gelände des Eigenhofes ermordet. Der König ritt mit kleinem Gefolge am Windischer Eigenhof vorbei, durch Aecker und Wiesen dem nahen Städtchen zu. Die Bluttat geschah am Ort der heutigen Klosterkirche. Ein anderer Chronist berichtete: ’der König ritt nach seiner Art quer über die angesäten Aecker’.
 
Anmerkung: Der Plan der Kantonsarchäologie Aargau (siehe Bild oben rechts) bestätigt die Ueberlieferung durch die Chronisten. Die Klosterkirche steht in ca. 30 m Abstand zum Trasse der früheren, ehemals römischen, Hauptstrasse nach Brugg die zum Zeitpunkt der Mordtat noch in Betrieb war.
 
Bau des Klosters
 
Da der Mord auf dem Gebiete des Windischer Eigenhofes geschehen war, so brauchten die Herzoge den nötigen Platz für den Klosterbau nur an sich zu ziehen, indem sie die Lehenbauern von den auf den Aeckern lastenden Zinsen frei sprachen; das tat Herzog Leopold am 10. Oktober 1309 in Brugg, wo er dem Rudolf und Wernher, genannt von Mülinen, 2 Viertel Roggen vom Hofe Windisch 'zum Bau seines Klosters, das hier neu errichtet werde', abnahm, und zugleich einen Acker des Hofes an sich zog, wofür die Hofleute je 1 Viertel Erbsen und Roggen weniger zahlen mussten. Da dieser Bauplatz, etwa 45 Aren, für den Bau nicht ausreichte, kauften die Gründer in den nächsten Jahren das umliegende Land, oder erhielten es geschenkt von Untertanen oder tauschten es mit andern entferntern Gütern ab. Am 11. November 1312 trat Heini der Meier von Windisch der Herrschaft einen Acker beim Kloster ab.
 

Max Baumann: Zur Geschichte des Schürhofs


Chronologie

 

1064: Güter der Habsburger in Vinse (Windisch) werden in einem Verzeichnis des Klosters Muri erwähnt.

 

1273: Der Meierhof Windisch wird erstmals in einem Güterverzeichnis des Königs Rudolf von Habsburg erwähnt.

 

1308: Am Mittwoch, 1. Mai 1308, wird König Albrecht auf dem Gelände des Meierhofes ermordet.

 

1309: Herzog Leopold hielt sich im Herbst 1309 persönlich in Brugg auf um den Landerwerb für den Klosterbau zu regeln. Die geplanten Klostergebäude kamen auf althabsburgischen Boden zu stehen. Ein Acker gehörte zum Meierhof Windisch, ein zweiter wurde vom gleichen Meier gegen Zins bebaut, ein dritter befand sich als Lehen im Besitz von Rudolf und Wernher von Mülinen. Der Herzog wies daher am 15. Oktober 1309 seine Vögte im Eigenamt an, für den entzogenen Boden 'aus Freigebigkeit' einen Zinsnachlass von insgesamt 3 Viertel Roggen und 1 Viertel Erbsen zu gewähren. Andere Parzellen waren nicht habsburgisches Eigentum, sondern mussten gegen Bezahlung erworben werden.

 

1312: Das Klosterareal wurde später noch abgerundet: Heinrich, der Meier von Windisch, bestätigte im gleichen Jahr, er habe für seinen abgetretenen Acker beim neuen Kloster einen 'andern, ebenso guten oder noch bessern' erhalten.

 

1316: Am 13. März 1316 übertrug Friedrich von Habsburg dem Frauenkonvent Königsfelden den Meierhof in Windisch samt dem dazugehörigen Kirchensatz der dortigen Pfarrei.

 

1490: Zinsbuch des Klosters Königsfelden (StAAa, AA 467/S.9)
Clewi Lutenschlager vom Schürhof entrichtet jährlich 5 Stuck (= 7½ Mütt = ca. 500 kg) Roggen und 5 Mütt (= ca. 230 kg) Hafer Zins vom Schürhof. Ferner von 2 Äckern, die auch zum Schürhof gehören, weitere 2 Mütt (= ca. 130 kg) Roggen.
 
1531: Urbar und Zinsbuch von Königsfelden 1532/33 (nach Aufhebung des Klosters und Konfiskation durch den Staat Bern. StAAa, AA 530/S.24)
Die obigen Zinsen bezahlt nun der Eigentümer Uli Töuber. (Im Jahr des Urbars wurde ihm der Zins aber "wegen erlittener Brunst um Gottes willen nachgelassen".)
 
1610: Der Berner Rat gestattete den Eigentümern des Schürhofs, einen neuen Brunnen mit ’Römerwasser’ zu speisen.
 
1615: Bodenzinsurbar Königsfelden (StAAa, AA 545/S.79v)
Der Schürhof gehörte nun Hans Fridli Huber, dem Wirt und Besitzer von Fahr und Fahrgut. Der Hof wird wie folgt beschrieben: Eine Einhege (d.h. ein eingezäuntes Gut an einem Stück und ohne Weiderecht der Dorfgenossen), 12 Jucharten hinter dem Haus.
 
1665: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 687/S.94)
Älteste (bekannte) genaue Beschreibung des Schürhofs. Der damalige Eigentümer Lienhart Müller belastete sein Gut mit einem Schuldbrief. Unterpfand: Haus und Trotte samt dem ganzen Einfang (Einhege) im Umfang von nun noch 8 Jucharten Matt-, Acker- und Rebland. Zu diesem Unterpfand gehörten ausserdem ausdrücklich Reben am Fahrrain. Gemäss einer Quelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts diente die Trotte auch für Trauben, deren Zehnten Königsfelden ausserhalb der Gemeinde Windisch bezog.
 
1671: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 688/2.2.1671)
Erbteilung von Lienhart Müller sel. Hans Ulrich und Hans zahlten nun die Geschwister Kaspar und Barbara sowie die Stiefmutter aus. Dafür übernahmen sie Haus, Scheune und Trotte (ausdrücklich für Wein und Öl) und den Einfang genannt Schürhof, die Reben am Fahrrain und alle Geräte.
 
1757: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 696/3.5.1757)
Die Erben des verstorbenen Hans Heinrich Müller (Nachkommen Hans Ulrichs) verkaufen Meister Daniel Koprio, Zimmermann von Oberburg, den Schürhof: Haus, Scheune, Wein- und Öltrotte, Wasch- und Holzhaus samt ca. 6 Jucharten Matt- und Ackerland.
Die Koprios waren tüchtige Zimmerleute, die in der ganzen Region Aufträge hatten. Daniel baute z.B. das schöne reformierte Pfarrhaus in Gebenstorf, dann auch das noch stehende Wohnhaus oberhalb des sog. Holländerhauses. » Daniel Koprio
 
1771: (StAAa, AA 733/S.98) belastete Koprio den Schürhof mit einem Schuldbrief. Wieder lautete die Beschreibung "Behausung, Scheune, Wein- und Öltrotte" samt 6 Jucharten Land.
 
1786: Gerichtsmanual Königsfelden (StAAa, AA 701/S.266)
Daniel Koprio verkauft den Schürhof an die Gebrüder Spillmann, und zwar zu ⅓ an Daniel, zu ⅔ an Friedrich: "Ein Haus und Weintrotte samt allem dazu dienenden Geschirr, was Namen sie immer haben mögen, samt Kraut- und Baumgarten, ungefähr 6 Jucharten, der Schürhof genannt, stösst aussen an Conrad Schatzmann, innen an die Strasse, oben an die alte Baderstrasse, unten an das Gässli, von welchem Gässli in seiner Länge und Breite, so weit es diesem Schürhof nachgeht, 2/3 gehören, wie solches ausgemarcht ist." (Wörtliches Zitat in heutiger Schreibweise)
 
Zum Kauf gehörte "eine neue, hinter dem Haus liegende Trottenschale", (vermutlich ein Gebäude für die Trotte.) Im Preis war die Öle nicht eingeschlossen! Der Verkäufer behielt sich im Vertrag ausdrücklich vor "alles zur Öle gehörige Geschirr bis an den Trottbaum wegnehmen zu können". Den Hintergrund dieses Vorbehalts war der folgende: Koprio hatte 1781 an der Reuss im Unterdorf eine mechanische, von der Wasserkraft angetriebene Sägerei gebaut und zügelte auch dorthin. Er gedachte, diese durch eine Gipsmühle und eine mechanische Öle zu erweitern, was er 1790 verwirklichte. Daher wollte er im Schürhof nicht einen unliebsamen Konkurrenten (vgl. Geschichte von Windisch, S.288/89).
 
Ergänzung ab 1786

 

Die Familie Spillmann ist bis heute auf dem Schürhof sesshaft. Durch Erbteilungen wurde der Hof aufgeteilt. Ein Familienzweig wanderte um 1900 nach Argentinien aus. Ein weiterer erwarb um 1967 einen Bauernhof im Kanton Zürich. Bis 1972 wurde auf dem Hof Landwirtschaft betrieben. Zudem waren die Spillmanns seit jeher im Handwerk tätig, so u.a. als Schuhmacher und Küfer (Klosterküfer). Die Familie Spillmann führte Mitte des 19. Jahrhunderts den Zunamen ’Küfers’. Eine lange Tradition hatte der Betrieb einer gewerblichen Mosterei.